Beziehung im Online-Kontext

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Mit Resonanz ist das unbewusste Imitieren von körperlichen, seelischen oder von emotionalen Verhaltensweisen im Gegenüber gemeint. Joachim Bauer beschreibt in seinem Aufsatz »Kleine Zellen, Grosse Gefühle – wie Spiegelneurone funktionieren« die Bedeutung der Spiegelneuronen in Bezug auf die Beziehungsfähigkeit. Auf dem Hintergrund der Frage, wie man in Online-Umgebungen Beziehungen aufbaut und pflegt, ist hier von Bedeutung, was Bauer mit Resonanz meint. Gerade diese ist online erschwert.

»Zu einer Beziehung gehört, dass wir uns in den anderen Menschen einfühlen, und dass wir auf das, was wir von seinen inneren Gefühlen wahrnehmen, ein Stück weit eingehen können, dass wir also eine Resonanz zeigen. Konkret würde das z. B. bedeuten, dass wir spüren: jemand ist bedrückt, und dass wir darauf mit Anteilnahme reagieren. Oder es freut sich jemand ungemein, weil ihm oder ihr etwas Gutes gelungen ist. Sich in einer solchen Situation mitfreuen zu können und auf diese Freude einzuschwingen, bedeutet Resonanz zu zeigen. « (2009, S. 51)

Birgit Koch berichtet hierzu aus eigener Erfahrung:

»Ich kann meine Kommunikation nicht nachbessern, weil ich die Reaktion darauf nicht sehe. Auch kann niemand sehen, wenn ich zum Beispiel dem Bildschirm bestätigend zunicke. Alles, was ich vermitteln möchte, muss schriftlich kommuniziert werden.« (2012, S. 96)

Innere Bilder im Online-Dialog einbringen

Dennoch gelingt es, so etwas wie Resonanz auch in Online-Lernumgebungen zu erleben und als Lehrperson oder E-Moderator/in mehr oder weniger bewusst auch einzubringen. Koch schreibt, sie habe gelernt, Resonanz aus den schriftlichen Äusserungen ihrer Coachees als diagnostisches Mittel einzusetzen. Die Herausforderung liege darin, wie sie (und jeder andere) ihr Wissen förderlich zur Verfügung stellen könne. So könne sie manchmal die Bilder, die in ihr auftauchten, methodisch direkt als Metaphern im Dialog nutzen. (S. 97)

Quellen:

Bauer, J., (2009). Kleine Zellen, Grosse Gefühle – wie Spiegelneurone funktionieren. Die neurobiologischen Grundlagen der »Theory of Mind«. In: Herrmann, Ulrich (Hrsg.): Neurodidaktik, Grundlagen und Vorschläge für gehirngerechtes Lernen (S. 49 – 57). Weinheim und Basel: Beltz.

Koch, B., (2012). »OnlineCoaching«: Ein geschriebener Dialog unabhängig von Zeit und Raum. In: Geissler h. und Metz, M. (Hrsg.): E-Coaching und Online-Beratung, Formate, Konzepte, Diskussionen (S. 87 – 100). Wiesbaden: Springer VS.